»CURA« im Einsatz

Elias Baumgarten
23. April 2020
Foto: Max Tomasinelli

Jüngst präsentierten die italienischen Architekten Carlo Ratti und Italo Rota Pläne zum Umbau alter Schiffscontainer für die Behandlung von schwer erkrankten COVID-19-Patient*innen. In kürzester Zeit hat es das Projekt vom Reißbrett zur Erprobung geschafft: In Turin wurde die erste Einheit als Teil eines temporären Spitals in Betrieb genommen.

Einen knappen Monat ist es nun her, dass Carlo Ratti und Italo Rota zusammen mit einer großen Expertengruppe Pläne für die improvisierte Intensivbehandlung von COVID-19-Patient*innen vorgestellt haben. Sie schlugen vor, alte Schiffscontainer so umzubauen, dass darin jeweils zwei Erkrankte isoliert und intensivmedizinisch versorgt werden können. Die Idee stieß auf Interesse, aber auch auf Kritik. Sie seien bloß Wichtigtuer, wurde den beiden Architekten vorgeworfen, ihre Lösung sei über Gebühr teuer; bessere Varianten seien bereits lange verfügbar und teils seit Dekaden im Einsatz. Beeindrucken ließen sich Ratti und Rota davon nicht, mit Hochdruck arbeiteten sie weiter an ihrem Projekt »CURA«. Und nun, bald vier Wochen später, ist die erste Einheit in Turin im Einsatz. Als Teil eines temporären Spitals mit 90 Betten, eingerichtet in einem alten Industriekomplex, wird sie seit wenigen Tagen erprobt.

Foto: Max Tomasinelli

Im »CURA«-Container herrscht Unterdruck, damit kontaminierte Luft nicht entweichen kann. Alle Gerätschaften für die Behandlung von zwei Schwerkranken wurden eingebaut. Zwei lange Fenster ermöglichen den Ärzt*innen, jederzeit nach den Patient*innen zu sehen, auch ohne den Behandlungsraum extra zu betreten. Die in Turin aufgestellte Einheit ist an eine pneumatische Konstruktion gekoppelt, die Raum zur Lagerung von allerlei Equipment bietet und überdies als Schleuse dient. 

Jetzt muss sich zeigen, wie gut die »CURA«-Idee tatsächlich funktioniert. Offen sind indes auch Fragen nach den Herstellungskosten – der Hauptkritikpunkt an der Gestaltung – und nach dem Zeitbedarf für die Produktion. Sollte sich der Container in Turin bewähren und die Fragen befriedigend beantwortet werden, könnte »CURA« mittelfristig weltweit zum Einsatz kommen. 

Wir hoffen, dass die Situation in Italien sich rasch weiter stabilisieren und schließlich entspannen wird. Wünschenswert wäre, dass die enorme Kreativität italienischer Architekt*innen, die durch die Notlage in ihrer Heimat beflügelt wurde, Menschen weltweit zugute kommt. Denn gerade in Afrika und Südamerika, wo die medizinische Versorgung weitaus weniger gut ausgebaut ist als in anderen Teilen der Welt, droht Corona die Bevölkerung mit schwerster Wirkung zu treffen.

Eine »CURA«-Einheit kann zwei Intensivbetten aufnehmen. Sie eignet sich für die Pflege Schwerkranker unter Isolationsbedingungen. (Visualisierung: CURA/CRA-Carlo Ratti Associati mit Italo Rota)

Simone Sfriso und Raul Pantaleo vom italienischen Büro TAMassociati im Interview zur Corona-Krise

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