»Boden für alle« – gerade auch in Kärnten

Manuel Pestalozzi
23. November 2022
Ein Bild mit Symbolkraft: In Österreich ist der Boden eine Handelsware. Dies führt auch zur Zersiedelung einzigartiger Naturlandschaften, die dringend zu schützen wären. (Collage: Christina Kirchmair, basierend auf einem Foto von Johann Jaritz, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0)

Die Ausstellung »Boden für alle« wurde im vorigen Jahr erstmals im Architekturzentrum Wien gezeigt. Sie ist politisch: Ihre Themen sind die Zersiedelung, die Versiegelung der Böden und die Spekulation mit Grundstücken. Auch die schleichende Privatisierung des öffentlichen Raumes wird behandelt. Verständlich, aber auch kritisch werden die politischen, rechtlichen und wirtschaftlichen Hintergründe der heutigen Zustände beleuchtet. Fallstudien und Begriffserklärungen legen Machtstrukturen und Interessen offen. Internationale Positivbeispiele zeigen indes Auswege auf.

Die Ausstellung wurde und wird an verschiedenen Orten in Österreich gezeigt. Aktuell ist sie auch im Architektur Haus Kärnten zu sehen. Dafür wurde ein eigenes »Kärnten-Modul« entwickelt. Dargestellt werden mit diesem Zusatz die Baukulturellen Leitlinien für Kärnten. 2018 setzte Kärnten als erstes Land die vom Bund beschlossenen baukulturellen Leitlinien um. Seither werden diese durch das Architektur Haus Kärnten mit Postkarten, Erklärvideos, Veranstaltungen und vielem mehr bekannt gemacht. »Boden für alle« bot sich hervorragend an, Teil dieser Vermittlungsarbeit zu werden.

Die Zersiedelung ist in Österreich wie in etlichen anderen Ländern Europas ein großes Problem, das es alsbald zu lösen gilt. Neben Wohnsiedlungen wie auf diesem Foto spielen dabei Gewerbegebiete eine Schlüsselrolle. Mit deren Flächenfraß hat sich Michael Murauer 2021 befasst. Er stellt aktuell ebenfalls im Architektur Haus Kärnten aus. (Foto © Gerhard Maurer)
Noch mehr Programm: Zusatzausstellungen, ein Vortrag und ein politisches Podium

Noch bis zum 23. Dezember wird im Architektur Haus Kärnten parallel zu »Boden für alle« die Ausstellung »Konstruktion Landschaft« gezeigt. Mit ihr wird eine bemerkenswerte Recherche von Michael Murauer präsentiert. 2021 hatte er sich mit Gewerbegebieten und deren kolossalem Flächenverbrauch befasst. Zu sehen sind auch Zeichnungen und Collagen, die Alternativen aufzeigen sollen, etwa durch das Stapeln von Funktionen. 

Eine weitere Leihgabe, die derzeit im Architektur Haus zu sehen ist, besteht aus Bodenprofilen der Bodenkundlerin Gerlinde Krawanja-Ortner, die den Geopark Karnische Alpen leitet. Fünf ausgewählte Exemplare geben den Besucher*innen die Gelegenheit, viele verschiedene Erdschichten näher kennenzulernen. Gerlinde Krawanja-Ortner wird am 18. Jänner im Architektur Haus sprechen: In ihrem Vortrag »Boden – unser Tafelsilber« wird sie über Böden, deren Bedeutung und deren Gefährdung referieren. Am 2. Februar 2023 findet dann die Podiumsdiskussion »Zukunft Lebensraum Kärnten« anlässlich der Kärntner Landtagswahl statt. Ende Februar wird das Gastspiel der Wanderausstellung »Boden für alle« in Klagenfurt schließlich enden.

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