Konzerthaus München: Etappensieg für ein Prestigeprojekt

Manuel Pestalozzi
15. Juli 2021
So soll das Konzerthaus nahe des Ostbahnhofs dereinst aussehen. (Visualisierung: Cukrowicz Nachbaur Architekten)

Der Haushaltsausschuss des Bayerischen Landtags hat grünes Licht für die weitere Planung geben. Damit hat das Projekt des Vorarlberger Büros Cukrowicz Nachbaur eine wichtige Hürde genommen.

Schon fast vier Jahre ist es her, dass das Team von Cukrowicz Nachbaur Architekten aus Bregenz den Wettbewerb für ein neues Konzerthaus unweit des Münchner Ostbahnhofs gewinnen konnte. Der Bau wird Teil des Werksviertels sein, das derzeit eines der wichtigsten Entwicklungsgebiete Münchens ist. Der Entwurf der Bregenzer, der an die niederländische Architektur der 2000er-Jahre erinnert, war und ist nicht unumstritten. Manche Kritiker halten ihn für aus der Zeit gefallen. Nach dem Abschluss der Vorplanungen sind die Fachteams nun bereit für die Entwurfsplanungen. Auch die Finanzmittel sind gesichert. Bei dem Vorhaben geht es für die bayerische Landeshauptstadt um viel: Mit dem Konzerthaus soll Münchens große Tradition als Musikstadt im 21. Jahrhundert fortgeführt werden. »Die Entscheidung des Haushaltsausschusses zu diesem Leuchtturmprojekt hat eine starke Signalwirkung – auch für die internationale Kunstszene«, sagte denn auch Bayerns Kunstminister Bernd Sibler (CSU) der Presse. Er fuhr fort: »Mit einem einzigartigen und emotionalen Klang, einer lebendigen Musikvermittlung und einer hervorragenden technischen Ausstattung für das digitale Zeitalter wollen wir herausragende Musik für alle erlebbar machen. Das neue Konzerthaus soll als kreatives Kraftzentrum wirken, das in einer Liga mit den großen Konzerthäusern der Welt spielt.«

Ein elitäres Haus nur für die Liebhaber klassischer Musik soll das Konzerthaus indes nicht werden. Das Konzept, das Sibler Anfang Juli dem Haushaltsausschuss im Landtag vorstellte, sieht eine Öffnung auch für die freie Kunst- und Musikszene vor. Es sollen viele Angebote für Kinder und junge Menschen geschaffen werden, und das Bauwerk soll ein Haus der Musik für ganz Bayern werden. Dem Projekt könnte es in der öffentlichen Wahrnehmung durchaus guttun, dass sich Sir Simon Rattle, designierter Chefdirigent des Sinfonieorchesters des Bayerischen Rundfunks, über die Entscheidung der Landtagsabgeordneten, das Projekt weiter voranzutreiben, begeistert zeigte. Bei seinem ersten Besuch im Werksviertel im März dieses Jahres hatte er sich bereits überzeugt vom Standort und dem offenen Konzept des Konzerthauses gegeben. 

Allerdings: Ein konkretes Datum für den Baubeginn steht weiterhin nicht. Die positive Entscheidung der Abgeordneten im Landtag heißt noch nicht, dass das Konzerthaus tatsächlich realisiert wird. Sie ist allerdings ein starkes Signal, gerade in Zeiten der Krise. Trotzdem kann nur von einem weiteren Etappensieg gesprochen werden.

Verwandte Artikel

Andere Artikel in dieser Kategorie