Bildungscampus »Berresgasse« von PSLA Architekten

Intelligent geschichtet

PSLA Architekten
21. 二月 2020
Ansicht Nord-Ost (Foto: Lukas Schaller)

PSLA Architekten haben einen Bildungscampus für über 1'100 Kinder gestaltet. Lilli Pschill und Ali Seghatoleslami beantworten unsere Fragen und erklären die schöne, qualitätsvolle Anlage.

Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?


Der Campus gliedert sich in sechs überschaubare Raumverbänden. Er ist so konfiguriert, dass für über 1'100 Kinder unterschiedlicher Altersgruppen einzelne Bildungsbereiche entstehen. Dadurch, dass diese über- und nebeneinander geschichtet und ähnlich einem Berg nach oben hin stark terrassiert sind, entstehen nicht nur im Innenbereich, sondern auch auf den Terrassen vielfältige Möglichkeiten zur informellen Begegnung.

Das Besondere an dem Projekt ist das radiale Prinzip; dadurch werden die pädagogischen Räume um gemeinsame »Herzen« organisiert, die den jeweiligen Bildungsbereich formulieren und diesen Windrad-artig in alle Himmelsrichtungen ausrichten.

Mit dem Übergang zwischen verschiedenen Bildungseinrichtungen – etwa zwischen Kindergarten und Volksschule – gehen mitunter Schwellenängste einher. Um diese architektonisch zu mildern, haben wir Hallen-artige Atrien gestaltet. Die Kinder essen, spielen und lernen in den Bildungsbereichen gemeinsam, die Kindergartenkinder können beispielsweise ungehindert im selben Raumverband die Volksschulkinder besuchen. Tageslicht dringt von allen Seiten in die Atrien. Die Raumhöhen variieren zwischen 2,2 und 7 Metern, damit intro- und extrospektives Lernen und Spielen gleichzeitig möglich sind. Uns war es von Anfang an wichtig, sicherzustellen, dass durch die »zentrifugale« Anordnung der Cluster die Kinder nicht ausschließlich eine Atmosphäre vorfinden.

Ansicht Süd-Ost (Foto: Lukas Schaller)
Ansicht Nord-West mit Garten (Foto: Lukas Schaller)
Wie hat der Ort auf den Entwurf eingewirkt?


Das Projekt befindet sich in einer heterogenen gewachsenen Bebauungsstruktur am nördlichen Stadtrand von Wien; die Anlage ist gleichzeitig von großen Plattenbauten aus den 1960er-Jahren und einem Meer von Einfamilienhäusern umgeben.

Andererseits bildet der Campus den Auftakt zu einem westlich angrenzenden Stadtentwicklungsgebiet für mehr als 5'000 Bewohner*innen. Er erlangt daher allein durch seine stadträumliche Lage und Ausdehnung eine städtebauliche Bedeutung und bietet über 5'000 Quadratmeter öffentlich zugänglicher Freiflächen für das Quartier. Ein Großteil der Freiräume steht verschiedenen Nutzungen offen, der mehrfach nutzbare Saal mit mehr als 200 Sitzplätzen grenzt an den Vorplatz an; der Campus bildet zum Stadtraum hin über 1'500 Quadratmeter überdeckte Außenflächen aus, damit auch bei schlechtem Wetter Skaten, Bouldern, aber auch das einfache Schaukeln möglich sind. Damit der Bildungscampus als eine inhärente Erweiterung des Quartiers wahrgenommen und erlebt wird, wurde das Projekt – obwohl räumlich abschließbar – als eine Schule ohne Zäune konfiguriert. 

Fassade (Foto: Lukas Schaller)
Terrasse im 3. Obergeschoss (Foto: Lukas Schaller)
Wie gliedert sich das Gebäude in die Reihe der bestehenden Bauten des Büros ein?


Nachdem wir als Partner an der Entwicklung und Ausführung des 2014 fertiggestellten Bildungscampus »Sonnwendviertel« mitgewirkt hatten, ist für uns das Projekt »Berresgasse« ein logischer Schritt. Damals hat sich die Stadt Wien von der Gangschule verabschiedet und sich für die Zukunft die Organisation von Schulanlagen in Clustern gewünscht. Diese haben wir in mehreren Versuchen weiterentwickelt. Beim Bildungscampus »Berresgasse« durften wir unsere Version schließlich umsetzen.

Atrium des Bildungsbereichs im 1. Obergeschoss (Foto: Lukas Schaller)
Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?


Wir haben versucht, durch das Projekt selbst und aus ihm heraus Erkenntnisse und Leitbilder zu generieren – nicht umgekehrt.

Welches Produkt oder Material hat zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?


Wir wollten die Typologie der Schule als ein Kombinat von Zeit und Architektur sowohl im Innenraum (unterschiedliche Holzarten für Wände und Bodenbelägen) als auch im Außenraum, an der Fassade und auf den intensiv begrünten Terrassen spürbar machen. Bei der Fassadengestaltung mit unterschiedlich versetzten Lattenrichtungen haben wir mit Holzforschung Austria sehr eng zusammengearbeitet, um sie in unbehandeltem Lärchenholz umzusetzen. Das langsame Vergrauen und unterschiedliche Verwittern des vielseitig orientierten Baukörpers über die Zeit soll selbst als eine Art Zeitmaschine einen »städtebaulichen Parameter« im Stadtentwicklungsgebiet »Berresgasse« etablieren. 

Bildungsraum (Foto: Lukas Schaller)
Turnhalle (Foto: Lukas Schaller)
Lageplan 
Grundrisse
Schnitte
Grundriss Kindergarten
Grundriss Volksschule
Grundriss Neue Mittelschule
Name des Bauwerks
Bildungscampus »Berresgasse«
 
Ort
Scheedgasse 2, 1220 Wien
 
Nutzung
Bildungsbau
 
Auftragsart
EU-weiter, offener, zweistufiger Realisierungswettbewerb, 1. Preis, Generalplaner-Auftrag
 
Bauherrschaft
Stadt Wien: MA 56 Schulen, MA 10 Kindergärten
 
Architektur
PSLA Architekten ZT GmbH, Wien
Lilli Pschill und Ali Seghatoleslami, Mitarbeiter*innen: Aiste Ambrazeviciute, Christopher Ghouse, Andreas Hradil, Marc Werner, Anna Barbieri, Andreas Metzler, Roland Basista
 
Fachplaner 
Landschaftsarchitektur: EGKK Landschaftsarchitektur
Statik, Brandschutz und Bauphysik: FCP Fritsch, Chiari und Partner ZT GmbH 
HKLS: rhm GmbH 
Elektroplanung: TB Eipeldauer 
 
Bauleitung           
Porr Design & Engineering
 
Jahr der Fertigstellung
2019
 
Gesamtkosten
EUR 38,9 Mio.
 
Gebäudevolumen
95'646 m3
 
Kubikmeterpreis 
EUR 406,8 
 
Maßgeblich beteiligte Unternehmer
PORR Bau GmbH, Wien 
Strobl‐Holzbau GmbH, Weiz
KAPO Fenster und Türen GmbH, Pöllau
Zumtobel Lighting GmbH, Dornbirn
Nora systems GmbH, Weinheim, Deutschland
Kvadrat, Ebeltoft, Dänemark
Carl Stahl GmbH, Wels
 
Fotos
Lukas Schaller

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