Gut fürs Klima – im doppelten Sinne

Ulf Meyer
3. Dezember 2021
Das Schulhaus des Gemeindeverwaltungsverbands Kirchberg-Weihungstal wurde um einen Holzbau mit Innenwänden aus Lehm erweitert. (Foto: Günther Bayerl)

Mit Naturbaustoffen wie Holz und Lehm zu bauen, ist nicht nur ökologisch sinnvoll. Auch lassen sich besonders ästhetische und behagliche Räume schaffen, wie das bayerisch-österreichische Büro Farthofer zeigt.

Selbst bei einer vermeintlich kleineren Bauaufgabe wie der Erweiterung einer Schule in der Provinz lässt sich eindrücklich beweisen, was nachhaltiges Bauen heute zu leisten vermag – nicht nur ökologisch, sondern vor allem auch ästhetisch, räumlich und in Sachen Behaglichkeit. Ein schönes Beispiel dafür ist die Erweiterung und Sanierung der Schule des Gemeindeverwaltungsverbands Kirchberg–Weihungstal.

Das bestehende Schulhaus war trotz einer Erweiterung im Jahr 2006 zu klein geworden, sodass 2018 ein Plangutachten ausgeschrieben wurde. Ausgewählt wurde damals der Vorschlag des bayerisch-österreichischen Architekturbüros Farthofer mit Niederlassungen in Seekirchen am Wallersee und im bayerischen Freilassing. Nun sind die Baumaßnahmen an dem Komplex abgeschlossen: Die Schule wurde durch einen mehr als tausend Quadratmeter großen Anbau mit zwei Stockwerken, der sich formal gut mit dem Bestandsbau verträgt, erweitert. Neben vielen neuen Unterrichtsräumen nimmt der Erweiterungsbau auch eine Aula auf dazu verschiedene Mehrzweck- und Computerräume, eine Küche sowie einen Raum mit Bühne für Theateraufführungen und Konzerte, der an einen Innenhof angeschlossen ist. Außerdem bietet die Erweiterung einen einladenden Aufenthaltsraum und eine Bibliothek für die Schüler*innen.

Foto: Günther Bayerl
Foto: Günther Bayerl

Weil die Vermeidung von grauer Energie und unnötigen CO2-Emissionen erfreulicherweise immer ernster genommen wird und einige Bauherrschaften mittlerweile explizit danach fragen, entschieden sich die Architekten für nachwachsende Baustoffe: Statt auf ein Skelett aus Stahlbeton zu setzen, konstruierten sie die Erweiterung als Holzbau mit einem Tragsystem aus Baubuche und Massivholzdecken. Die Außenwände bestehen aus Massivholztafeln. Die Innenwände sind mit 22 Millimeter starken Lehmplatten beplankt und mit Lehm verputzt. Das wirkt sich vorteilhaft auf das Raumklima und den Feuchtigkeitshaushalt aus. Dies erhöht die Behaglichkeit und hat zudem eine positive Wirkung auf die Gesundheit der Jugendlichen und ihrer Lehrer*innen: Eine zu niedrige Luftfeuchtigkeit, wie sie sonst gerade während der Heizperiode oft auftritt, begünstigt die Ausbreitung von Atemwegsinfekten.

Eine der Stützen aus Baubuche (Foto: Günther Bayerl)

Bei der Gestaltung der Fassaden griffen die Architekten die markanten Brüstungsbänder des Bestandsbaus auf und interpretierten sie in Form einer hinterlüfteten Lärchenholzschalung mit Holz-Alu-Fenstern. Auf diese Weise werden Alt- und Neubau zu einer Einheit, die Eingliederung der Erweiterung in ihre bauliche Umgebung ist gut gelungen.

Die Fassade aus Lärchenholz soll als Interpretation der mächtigen Brüstungsbänder des Bestands gelesen werden. (Foto: Günther Bayerl)
Muffige Lehrerzimmer waren einmal – dieser Raum lädt zum Pausieren und Vorbereiten neuer Unterrichtsstunden ein. (Foto: Günther Bayerl)
Grundriss Erdgeschoss

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