Kostspieliger Blick zum Prater

Ulf Meyer
16. September 2021
Foto © Soravia

Die drei Türme des »Triiiple« in Wien-Landstraße prägen neu die Silhouette der Stadt. Sie sind vor allem Renditeobjekte für eine wohlhabende Klientel. Doch es gibt auch Vorzüge – den Nutzungsmix und die Heizung mit Donauwasser etwa.

Mittlerweile acht Jahre ist es her, dass das Büro Henke Schreieck den Architektenwettbewerb um die Gestaltung der drei Hochhäuser im Viertel Landstraße am Donaukanal gewonnen hat. Diesen Monat nun wird der letzte der Türme des insgesamt 300 Millionen Euro teuren Ensembles »Triiiple« übergeben. Die Anlage prägt Wiens Skyline weithin. Sie ersetzt das deutlich weniger imposante Zollamtsgebäude. Zwei der Bauten nehmen sehr teure und freifinanzierte 1- bis 5-Zimmer-Wohnungen auf, die in der Größe zwischen 33 und 165 Quadratmetern variieren. Sie sind Loft-artig gestaltet und haben stets Balkone, Loggien oder Terrassen. Hinzu kommen ein Concierge-Service, ein Pool auf dem Dach, ein Salon mit Bibliothek und eine sogenannte Event-Küche. Das 163 Quadratmeter große Penthouse kostet zwei Millionen Euro. Die beiden Bauten sind wohl zuvorderst Spekulationsobjekte: Die Wohnungen, die fast alle bereits verkauft sind, gingen längst nicht nur an Selbstnutzer. Wie Der Standard recherchiert hat, gehören in den ersten beiden Türmen zehn beziehungsweise 15 Prozent juristischen Personen.

Im dritten Turm hingegen befinden sich möblierte Micro Apartments, die jeweils ein oder zwei Zimmer umfassen. Sie sind mindestens 22 und maximal 55 Quadratmeter groß und für Studierende und junge Berufstätige gedacht. Im Erdgeschoss finden sich ein Supermarkt, ein Café und ein Restaurant. Auch eine Trafik und ein Kindergarten sind vorhanden. 

Foto © Soravia

Gemeinschaftsterrassen, Waschsalon, Shops, Gastronomie, Cafés, der angesprochene Kindergarten sowie die gute Anbindung an die U-Bahnlinie U3 und die Straßenbahnlinie 18 sollen den Bewohner*innen das Leben besonders angenehm machen. Die Überplattung der Erdberger Lände und der Autobahn A4 erlaubt den direkten Zugang zum Donaukanal. Den Verkehrslärm vermag sie allerdings nicht vollständig zu dämpfen. Das neue Stadtquartier verbindet mit dem »Austro Tower« und dem Business District »Town-Town« Wohnen, Arbeiten und Leben. Vor den neuen Hochhäusern gibt es einen Grünraum, Kinderspielplätze, einen Sport- und einen Grillplatz. 

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Das Hochhaus-Ensemble weist architektonisch betrachtet differenzierte Außen- und Binnenräume auf. Man blickt nahezu ungehindert zum Prater hinüber. Viele Vor- und Rücksprünge sollen sich auf die umgebende Bebauung beziehen und angesichts der großen Volumen für eine angenehme Maßstäblichkeit sorgen. Verbunden sind die Gebäude durch einen gemeinsamen Sockel.

Aussteifende Erschließungskerne und punktgestützte Flachdecken ermöglichen unterschiedliche Grundrisse. Die Gebäude sind so gestaltet, dass es auf jeder Etage möglichst viele über Eck belichtete Wohnungen mit Blick zum Prater gibt. Die Dachterrassen sind begrünt, und Heizung wie Kühlung funktionieren – ökologisch durchaus interessant – mit Wasser aus dem benachbarten Donaukanal.

Der Landstraßer Bezirksvorsteher Erich Hohenberger (SPÖ) freut sich jedenfalls über das Projekt, das er immer unterstützt habe, wie er der Presse bei der Fertigstellung des ersten Turms sagte. Allerdings: Ihm missfällt nach wie vor, dass es nicht möglich war, geförderte Wohnungen einzurichten.

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